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25. August 2026

Durst, den wir für Hunger halten

Manchmal meldet sich Durst nicht als Durst, sondern als kleine Unruhe oder nachlassende Konzentration – und wir deuten ihn als Hunger. Wie du das Signal genauer liest, ganz ohne Verzicht und ohne Regeln.

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Hinweis: Das ist keine medizinische oder ernährungsbezogene Beratung, sondern eine Einladung, dich selbst genauer wahrzunehmen. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fragen zu deinem Körper wende ich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.

Das Signal, das sich verkleidet

Es gibt diesen Moment am späten Vormittag oder mitten im Nachmittag, in dem etwas fehlt. Nicht dramatisch, nur ein leises Ziehen. Du greifst nach etwas Kleinem zum Essen, weil das die naheliegendste Antwort ist. Und manchmal war es genau richtig. Aber manchmal war es das nicht – und der Körper meinte etwas anderes.

Unser Körper hat für sehr unterschiedliche Bedürfnisse ein überraschend kleines Vokabular. Müdigkeit, Anspannung, Durst und ein echter Hunger klingen im ersten Moment ähnlich: eine Unruhe, ein Fokusverlust, das Gefühl, dass jetzt irgendetwas passieren müsste. Wer schnell reagiert – und wer hat im vollen Tag schon Zeit, langsam zu reagieren – nimmt reflexhaft die vertrauteste Deutung. Für viele von uns ist das Essen.

Das ist kein Fehler und schon gar kein Grund für schlechtes Gewissen. Es ist einfach eine Verwechslung, die im Alltag leicht passiert. Und Verwechslungen kann man auflösen, sobald man sie kennt.

Warum Durst wie Hunger klingt

Durst ist ein leiser Bote. Er ruft nicht laut, er flüstert – und weil er flüstert, hören wir oft erst die lautere Deutung. Dazu kommt, dass die Anzeichen sich überschneiden: Ein Nachlassen der Konzentration, eine kleine Reizbarkeit, das Bedürfnis nach einer Pause können ebenso gut für Durst wie für Hunger stehen. Am Wochenanfang habe ich hier darüber geschrieben, warum dich der Nachmittag manchmal einfach fallen lässt. Der verkleidete Durst ist einer der stillen Mitspieler in genau dieser Geschichte.

Wichtig ist mir dabei eines: Hier geht es nicht ums Weglassen und nicht um Regeln fürs Essen. Es geht nicht darum, weniger zu wollen, sondern genauer zu verstehen, was du gerade brauchst. Wenn dein Körper Durst meint und du ihn richtig liest, dann isst du nicht „diszipliniert weniger" – du gibst ihm einfach das Passende. Das ist ein Unterschied, der alles verändert, weil er ohne Druck auskommt.

Der kurze Moment dazwischen

Der einzige „Trick", wenn man ihn überhaupt so nennen will, ist ein kurzer Moment zwischen Signal und Reaktion. Nicht Kontrolle, nur eine Frage: Was ist das gerade wirklich?

Dieser Moment dauert Sekunden. Du spürst das leise Ziehen, und bevor du automatisch reagierst, hältst du einmal inne und fragst nach. Oft merkst du schon beim Fragen, wohin es geht. Manchmal ist die Antwort ganz klar Hunger – dann iss, ohne zu zögern. Manchmal ist es Müdigkeit, die eine Pause will. Und manchmal ist es dieser leise Durst, der die ganze Zeit da war. Du musst dich nicht jedes Mal richtig entscheiden. Es reicht, dass du überhaupt wieder fragst, statt nur zu reagieren.

Das Signal lesen – die Antwort kommt woanders her

Body Signals ist dafür da, das Signal zu erkennen. Was du dann konkret tust, damit dein Körper gut versorgt durch den Tag kommt, ist der nächste Schritt. Antworten kann hier Regeneration on Rails geben: dort geht es darum, wie du solche Dinge nicht dem Zufall überlässt, sondern in einen ruhigen Ablauf bringst, der von allein läuft. Ein Signal zu verstehen ist der erste Schritt. Einen verlässlichen Rahmen zu bauen, in dem du gar nicht erst in den Durst-als-Hunger-Moment rutschst, ist der zweite.

Für heute reicht der erste Schritt völlig. Das Erkennen ist die eigentliche Arbeit – der Rest wird leichter, sobald du dir selbst wieder zuhörst.

Was du mitnimmst

Dein Körper spricht die ganze Zeit mit dir, nur nicht immer deutlich. Durst ist einer der leisesten Sätze in diesem Gespräch, und er wird am häufigsten überhört. Du musst nichts kontrollieren und nichts weglassen. Du darfst nur wieder genauer hinhören – und dir den kurzen Moment gönnen, in dem du fragst, was gerade wirklich gemeint ist.

Das ist kein Programm und keine Regel. Es ist Selbstkenntnis. Und die ist am Ende bequemer als jede Vorschrift, weil sie mit dir arbeitet statt gegen dich.

Mehr solcher kleinen Beobachtungen über den Körper und den Alltag findest du im BlogWoman Brief.

Nächste Woche in dieser Serie: Der Montags-Körper. Warum sich der Wochenstart körperlich oft anders anfühlt als der Rest der Woche – und was dein Körper dir damit sagen will.

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